Die Geschichte der Osterwälder Kapelle

Kapelle Osterwald

(Auszug aus der Chronik von Osterwald, anlässlich der 650 Jahr Feier 1988)

Was die kirchlichen Angelegenheiten betraf, so gehörte Osterwald zum Kirchspiel Bödefeld. Anders als im Almischen Nachbardorf Brabecke, in dem die Herren von Meschede selbst im Mittelalter eine Kirche errichten ließen und das dortige Pastorat häufig mit Geistlichen aus der eigenen Familie ausstatteten, unterstand das Dorf der Mutterkirche in Bödefeld.

Aus dem Jahre 1716 stammt eine Urkunde, in der die strohgedeckte Osterwälder Kapelle als äußerst baufällig beschrieben wird - ein Beweis für ihr hohes Alter. Ihr ursprünglicher Standort war gegenüber der Bushaltestelle, auf dem heutigen Grundstück der Familie Eikelmeier. Obwohl das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand war - ein Brief des Kapellenvorstandes aus dem Jahre 1836 belegt dies noch einmal ausdrücklich (Stadtarchiv Schmallenberg) - und trotz zahlreicher Aufforderungen seitens der Kirchenbehörden, kam es erst 1867 zum Abbruch.

Die finanzielle Basis für den Neubau bildete das bescheidene Kapellenvermögen. Es bestand neben dem Spendenaufkommen noch aus den Pachteinkünften der eigenen Kapellenwiese "Im Kerkenbrauk". Die alte Kapelle war seit dem ihrem Bestehen dem früher im Sauerland beliebten heiligen Antonius, dem Einsiedler ("Fickeltünnes") geweiht. Figuren des heiligen Antonius erem. sowie des St. Wendelin befinden sich noch heute in der Kapelle.
Schon die alte Kapelle war mit einer Glocke ausgestattet, die bereits 1670 erwähnt wird. Die heutige stammt aus dem Jahr 1745 und wurde in Führt gegossen. Ihre Inschrift "B.J. Schneidewind goss mich 1745 in Fuert" belegt dies.

Zur Zeit des 3. Reiches wäre die Glocke beinahe ein Opfer des Krieges geworden. 1942 mußte sie zusammen mit den übrigen Glocken des Kirchspiels abgeliefert werden, um Material für Granaten etc. zu liefern. Auch alle anderen metallenen Kirchengeräte wurden abtransportiert. Ursprünglich sollte die Osterwälder Glocke, die nur 32kg wiegt und die kleinste Glocke im Kirchspiel ist, wegen ihres geringen Materialwertes im Ort bleiben. Doch auf Intervention des Pfarramtes erreichte man, daß statt ihrer die Kleppglocke in der Bödefelder Pfarrkirche erhalten blieb. Der geringe Materialwert bewahrte die Bronzeglocke jedoch vor dem Einschmelzen.

1947 erfuhr der damalige Bödefelder Pfarrer H. Marx, daß die Glocke zusammen mit anderen kleinen Glocken im Hafengelände von Münster lagere.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt gelang es Lieselotte Eikelmeier und Josefa Stratmann, zwei jungen Mädchen aus Osterwald, die Glocke in Münster ausfindig zu machen und nach Osterwald zurückzubringen.

Der Altar stammt aus dem Jahr 1794. Er wurde damals für 39 Taler (ohne Figuren) gekauft. Um mehr Platz zu bekommen, hat man ihn bei der grundlegenden Renovierung der Kapelle in den 70er Jahren nach Bödefeld ausgelagert. Die Holzschnitzereien des Altartisches sind heute in der Bödefelder Pfarrkirche zu bewundern.

Die heutige Kapelle wurde 1873 / 74 für 508 Taler erbaut. Durch ihre eingeengte Lage mitten im Ortskern waren spätere bauliche Vergrößerungen nicht möglich. So wird die alte Bausubstanz auch heute noch gepflegt. 1971 erhielt die Kapelle eine neues Dach, und Ende der 70er Jahre wurde der Innenraum völlig neu gestaltet.

Soweit der Ausschnitt aus der Dorfchronik von Osterwald.